5 TÄNZER*INNEN, 2 MUSIKER, 1 SCHAUSPIELER

es sitzt sich eigentlich ganz gut hier stellten die 5 Tänzer*innen, der Schauspieler und die Musiker fest, als sie sich das erste Mal bewusst mit diesem Sockel auseinandersetzten.

Warum sitzt hier sonst keiner?

Diese unendliche Leere, leerer Platz, leerer Sockel, leere Versprechen.

Oder ist da vielleicht eine Freiheit an diesem Ort außerhalb allen Lebens.

Was will dieser Ort, was verlangt er von uns, was erwarten wir von ihm, dem Sockel, dem Platz, der Stadt, den Menschen.

In einem Experiment widmen wir uns diesen Fragen, indem wir sprechen, singen, tanzen, spielen. Voneinander getrennt und miteinander auf_mit_um den Sockel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

~ Di 25.6. ab 17h bei PUT PUT PUT

 
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"Es sitzt sich eigentlich ganz gut hier"

von Denis Larisch

I

Also...Freiheit...hm...find ich schon auch, äh gut.

Links Beton. Unter mir Beton. Hinter mir Beton. Ich komme!

Dummdidummdidummdidumm.

Darüber in den Wolken: Ein Lied!

Wellen spielen ihr im Haar.

Wie wunderbar.

Freiheit...also ich wär schon ganz gern auch mal...

So mal unter uns.

Ins weite Rund gerufen.

Die Menge grölt geölt.

Zwischen den Fugen wirds eckig.

Aus meiner Mitte entspringt

hinter mir ein Fluss.

Und mein innerer Westernhagen hat sich vorgestern heiser geschrien.

An der Freiheit seiner Reling.

Denn Freiheit ist immer auch die Freiheit der anders Schreienden.

I FELT SO DEEP!

Durch das Netz der Freiheit

schnitten wir eine Wunde und sahen

durch unsere Augen Sehnsucht schippern.

Und laut bedröhnte dabei das Nebelhorn unsere Sprachlosigkeit bis weit hinter den Horizont.

Da sollte es mal weitergehen.

 

Doch zurück zum Beton.

Unter dem Beton Beton.

Eine Scheibe geschnitten Beton.

Drauf ging das Gestiftete stiften, als die Poesie nicht mehr gefragt war.

Nur noch Zeichen die Poesie bedeuten sollten.

Doch das Herz war leer und weit der Platz bis er implodierte vor lauter versprochner Fülle.

Im Herzen der Stadt.

Klaffte dann ein Loch als das Monument verrostend

den Schlüssel zu meinem Herzen nicht mehr fand.

Übrig blieb eine Scheibe mit Stiften drin,

die vom Regen umspült den Stein höhlen.

 

Es dröhnt unter meinen Füßen.

Ein bisschen zugig hier.

Und sehr leer.

Schnell hinunter zum zum Wasser Wasser.

Der Ausblick lässt von Schiffen träumen im Schilf.

Durchsichtig bis zur Unkenntlichkeit ihre Blicke

die schneller davoneilen konnten als ihr Mund sprechen lernen wollte

ins Innere des Herzens der Stadt die sich ein Rathaus schenkte

als wärs das erste Mal.

 

Die Blumenverkäuferin bietet Trockenblumen an,

die halten auch ohne Wasser frisch

auf dem Tisch unsere vergilbten Spuren im Wind

mein Kind, siehst du, da hinten liegt Denver.

 

Hinter den sieben Bergen durchpflügt Siegfried die Krautlandschaften seiner eignen Sage und buddelt sich eine Melodie zwischen die Schulterblätter.

Da sein schwert blitzt und blinkt,

und das soll bitteschön auch so bleiben,

kommt er nicht tief genug.

Auch da im Wald nur Beton.

Meterdicker Beton.

Aufgetürmt als das Kraut verdorren wollte.

Kriemhild nicht zu sehen.

Sie bleibt, wie sie ist und setzt sich ne Zahnspange ein, damit keiner auf die Idee kommt sie zu küssen.

Sie rührt Beton an.

 

Der Skandinavier dachte sich das alles anders, am prämierten Reißbrett.

Herum kam dann nach Ratsbeschluss nicht mal Waschbeton.

Eine angesengte Halle und die Fahnen,

Mein Kind, siehst du wie sie blitzen im Sonnenwind.

Sie klirren wie das Geschirr, das ich spüle,

wenn das Wasser hin und her wogend den Rhein runterfließt.

Dem alten anderen Felsen entgegen.

Hörst du, mein Kind, eine alte Weise wird da und dort gesungen.

Soll ichweißnichwases bedeuten.

Und die Schiffe fuhren sich in Klump und Boden.

Denn der Schlüssel, gestiftet dereinst, ging stiften, wie gesagt.

Und die Kunst am Bau ließ einzig ihren Standort übrig.

Rechts jetzt ein Lied. Schon wieder.

 

 

 

 

II

 

Doch zurück zum Beton um mich herum.

Die Freiheit, die ich meine

ist eine Sanduhr auf meinem Tisch

den der Holzwurm gefressen hat.

Die Leichen unserer Freiheit, da im Wasser sieht man sie mit den Zehen spielen.

Im Schraubstock des Todes steht ein Hofbräuhaus und heraus winkt die Loreley, den Siegfried im Arm.

Kriemhild kam zu spät.

Nachher hätte sie dann doch schon gern gewollt. Mist.

Bricht sich aber einen Zacken in die Kronen. Wär ja gelacht.

Währenddessen macht der Beton dem Platz platz.

Die Plumen duften aber nicht.

Durften sie nicht.

Drunter steht ein Hofparkhaus.

 

Der Herr Kapellmeister lacht schmerzhaft.

Dann beschmiert er sich mit Pech und sucht summend unterm Elfenbeinturm seine Tasten oder seine Motivation oder sein Herz. Wahlweise.

 

Der Rhein steht gülden und in Flammen.

Siegfried badet, salbt sich seine Schulter.

Sein Hausdrachen verdrückt derweil nen Backfisch.

Geisterabweisend.

Beide murmeln bekannte Verse.

Schiffe ziehen vorüber.

 

Der Bürgermeister steckt knietief im anonymen Beton fest und

erklärt derweil sich zur Kunstgattung.

Sein Gatte heißt Siegfried. Seltsam.

Die Zeichen stehen auf.

Visafrei bis Hawai.

Frisch eingegrölt die Menge.

 

Ach, so frei wär ich auch mal ganz gern gewesen.

Als ich wie ein Vogel war, der am Abend sang.

Riefen alle Leute nur: Sonnenuntergang.

Nebenan gibt es bald 1,2 Millionen neue Passagiere auf dem besiegelten Acker.

Applaus mit Aplomb.

Wir wachsen weiter über unsere Verhältnisse.

Siegfried steigt aus dem Fenster und fliegt.

Schwerkraft hat er nie gekannt.

Er hatte nur schwer Kraft.

Lacher.

Dem Beton sei ein Kalauer hingestellt.

Zur Abstandnahme. Zur inneren Erneuerung.

Von hier bis zum weggefegten Brandt.

 

Die Loreley hat Kriemhild eingehakt und geht shoppen bei vero moda.

Ein Loch tut sich auf im Beton, so geschliffen kreisrund wie Beton nur sein kann und hervor kommen greinend uralte Steine gekrochen, die sich noch mal, endlich am Lichte wieder, den Brandt von den Schultern klopfen, bis es staubt.

Um die Ecke kommt der Bürgermeister und erklärt den Tag für eröffnet.

Champagner zerbirst an der Reeling und macht den Staub platt.

 

Der Herr Kapellmeisteeer entschließt sich notgedrungen seine Sehnsucht in Zuckerwatte zu verpacken. Wieder Wagner. Oder so.

 

Immer wieder blitzt es helle,

und dazwischen die Forelle

durch das Wasser auf die Schnelle

hin zur Liebe die Forelle -

aber:

im Herzen ein fettes Loch.

Heraus quillt nichts als Beton, kein frisch vergossnes Blut, nur Beton.

 

Ein Gong.

Der Bürgermeister tritt auf der Stelle und vergießt leise weinend heiße Seifenblasen.

Tanzende erkunden sich, träumen von Freiheit,

entdecken bewegende Grenzen in ihren Augen.

 

Der Kapellmeister hat aufgehört zu spielen und sein Pianino lüstern über Bord geworfen.

Jetzt pfeift er drauf.

Man müsste Klavier spielen können.

Fröhliche fremde Kinder folgen dem Inschtrument und gehen baden.

Der Suchtrupp isst Vollkornbrot.

Das Wasser blitzt wie ein Schwert.

Der Siegfried liegt auf der Luftmatratze, grunzt gelassen und treibt ab.

Schneewittchen erscheint und verschwindet wieder.

Der Bürgermeister ruft: „Halt!“ und rennt ihr nach.

Ein Abwesender ruft: „Zurück zum Beton!“ und verblutet.

Der Sockel schweigt.

Steht da und schweigt.

 

versorgen sich mit Eigenblut

und haben den Beton endlich weichgetanzt.

Der Platz ist wie leergefegt.

Die Bagger stehn bereit.

Jetzt lässt es sich hier ja haushalten.

Mitten im Beton.

Nach all dem dummdidummdidummdidumm.

Jetzt sitzt es sich eigentlich ganz gut hier.

 

 

 

III

 

Und aus den Fluten steigt Axel Prahl, schnappt sich die Gitarre

und lacht kehlig uns die Herzen weich.

Wir rufen kläglich: „Aber es schlägt nur für Sie!“

Axel ruft: „Papperlapapp, Zappzarapp!“ und zupft klimpernd.

 

Ein Flugzeug dröhnt mich in den Schlaf.

Darin alle genannten Gestalten des Abends.

Damit es rund wird, hier auf dem Eckigen.

Also, so frei wär ich schon ganz gern mal.

 

Und leise in a-moll klingt das Lied.

Wie ein Plätschern, wie eine alte Weise.

Und es stellt sich der Barde auf den Sockel und kräht wie ein Huhn im Traumurlaub.

Ansonst

ist alles gesagt.

 

​~ Mitglieder

Paul-Johannes Till Kirschner

Jonas Herbert Erbes

Valentina Radmann

Levent Karaca

Vincent Ritter

Lara-Marie Weine

Denis Larisch

Ronia Adl-Tabatabai

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